Jos Schaefer-Rolfs: Überlegungen zu einer Antwort auf Wittgenstein
Ruhr-Universität Bochum
„Wovon man nicht sprechen kann, darüber darf man nicht schweigen” - Überlegungen zu einer Antwort auf Wittgenstein
Abstract:
Der abschließende Satz des Tractatus logico-philosophicus von Ludwig Wittgenstein lautet: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen”[1] (S.111) und ist wohl eine der bekanntesten Aussagen der Sprachphilosophie. Dabei fordert Wittgenstein seine LeserInnen nicht nur dazu auf, nur das auszusprechen, wessen sie sicher sein können, sondern stellt zudem auch die gesamte Philosophiegeschichte in Frage, in der das Transzendente und Metaphysische nicht nur beschrieben und benannt wurde, sondern stets eine wichtige Rolle spielte, ohne das darüber sicher Aussagen getroffen werden konnten. Damit zählt dies für Wittgenstein zu dem Nicht Sagbaren und sollte demnach auch nicht behandelt werden.
Dagegen würde sich Albert Camus wehren, für den die Absurdität der Welt grundlegend für die Existenz des Menschen ist. Weder die Welt und schon gar nicht die Existenz des Menschen können abschließend und vollständig beschrieben werden und dennoch muss grade darüber gesprochen werden. Mit Hilfe von Camus kann vor den Gefahren gewarnt werden, die es habe würde, nur noch über das zu sprechen, was sagbar, also mit Sprache zu beschreiben, ist. Dabei sollen auch die Auswirkungen beachtet werden, die Wittgensteins Forderung auf eine kritische Geschlechts- und Gesellschaftsperspektive hätte. Dadurch wäre eine emanzipatorische Entwicklung der Gesellschaft nicht denkbar und eine Infragestellung des gängigen Geschlechterdualismus könnte ebenfalls nicht vorgenommen werden. Deswegen soll mit Camus eine kritische Antwort auf den frühen Wittgenstein versucht werden und die Implikationen dieser Antwort in den Blick genommen werden.
Quelle
[1] Wittgenstein, Ludwig. Tractatus logico-philosophicus. Logisch-philosophische Abhandluneg. Suhrkamp Verlag. Frankfurt am Main 2003. [1922]
