Jacqueline Thißen: Klassifikationsprobleme von Partikeln im Deutschen
Ruhr-Universität Bochum
Klassifikationsprobleme von Partikeln im Deutschen
Eigentlich wollte Maria doch mal eben mit zur StuTS kommen. Allerdings.
Abstract:
Vor der so genannten pragmatischen Wende wurden Partikeln im engeren Sinne nur als periphere Elemente der Rhetorik angesehen und auf Grund ihrer primär kommunikativen Funktion in der gesprochenen Sprache bzw. ihrer nicht vorhandenen morphologischen und syntaktischen Eigenschaften von der sprachwissenschaftlichen Forschung nicht weiter beachtet, sodass sie sowohl in Grammatiken als auch in Wörterbüchern vernachlässigt wurden. Mit dem wachsenden Interesse der Sprachwissenschaft an kommunikativen und pragmatischen Funktionen, entstand neben vielen anderen neuen Teildisziplinen wie die der Textlinguistik oder der Sprechakttheorie auch die Partikelforschung. Nachdem Partikeln als Wortart nun seit mehreren Jahrzehnten in der Linguistik Beachtung gefunden haben und als Bestandteil einer jeden Grammatik integriert sind, herrscht dennoch in Bezug auf die Klassifikation - sowohl als eigene Wortart in Abgrenzung zu anderen Wortarten als auch innerhalb der eigenen Binnendifferenzierung - keine Einigkeit. Auf den ersten Blick scheint es, als ob überschaubare Kriterien wie bspw. die Nicht-Vorfeldfähigkeit oder die Nicht-Satzwertigkeit die Möglichkeit bieten, diese „kleinen Wörtchen” problemlos klassifizieren zu können. Es stellt sich allerdings die Frage, warum dann z.B. eigentlich oder allerdings, wie sie im Untertitel verwendet werden, diesen Kriterien nicht entsprechen und je nach Grammatik doch als Partikeln klassifiziert werden? Zum einen findet sich die Antwort in den verschiedenen Kriterien, die jeweils von den Forschern aufgestellt werden, und zum anderen finden sich auch Widersprüche innerhalb einer Grammatik selbst.
Als ob dies die Klassifizierung nicht schon genügend erschweren würde, kommt bei dieser Wortart noch ein weiterer die Thematik verkomplizierender Faktor hinzu: Da sich Partikeln zumeist aus bereits existierenden Lexemen entwickeln, haben sie häufig Homonyme in anderen Wortarten, was zusätzliche Schwierigkeiten bezüglich der Abgrenzung bereitet.
Diese Probleme und weitere Schwierigkeiten sollen auf der StuTS gemeinsam behandelt werden. Ziel des Workshops ist es, die verschiedenen Grammatiken und Klassifikationen sowie ihre jeweiligen Vor- und Nachteile zu diskutieren oder vielleicht sogar eine neue Klassifikation aufzustellen.
Der Workshop richtet sich sowohl an Studierende, die einen Einblick in die Partikelforschung gewinnen möchte, als auch an diejenigen, die bereits über ein fortgeschrittenes Wissen verfügen.
