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Holger Körtge: Serielle Verben und Auxiliarkonstruktionen in der Role and Reference Grammar

Bloged in Neuigkeiten von Marek Montag November 2, 2009
Holger Körtge
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Serielle Verben und Auxiliarkonstruktionen in der Role and Reference Grammar

Zusammenfassung

Aufgrund ihrer syntaktischen und semantischen Eigenschaften stehen Serielle Verbkonstruktionen (SVC) und Auxiliarkonstruktionen (AVC) in einem engen definitorischen Verhältnis zueinander. Aus ihrer historischen Entwicklung betrachtet sind serielle Verben, neben Komplementstrukturen, die häufigste Quelle zur Entstehung von AVC (Anderson 2006: 11).
In einem funktional-kognitiven Ansatz ist von einer „grammaticalization-chain”, genauer gesagt, einer „Verb-to-TAM chain” im Sinne von Heine (1992, 1993) auszugehen, in der jedes Glied dieser ‚Kette’ eine Stufe des Auxiliarisierungsprozesses repräsentiert, wobei die vorherigen und die nachfolgenden Funktionen sowie deren linguistische Realisierungen Seite an Seite ko-existieren. Daraus ergibt sich eine überlappende Zwischenstufe, die durch semantische Ambiguität, syntaktische Ambiguität, oder eine Kombination derselben gekennzeichnet ist (Kuteva 2001: 138).
Die Grammatikalisierung von seriellen Verben zu Auxiliaren verläuft nicht willkürlich. Verben mit einer bestimmten Semantik sind prädestiniert dafür, einem Auxiliarisierungsprozess zu unterliegen (z.B. die Bewegungsverben ‚gehen‘ und ‚kommen‘ > Futur; going to im Englischen). Die Role and Reference Grammar (RRG; Van Valin & LaPolla 1997, Van Valin 2005) hat sich als linguistisches Modell für eine Analyse komplexer Prädikate als sehr nützlich erwiesen, da sie die Annahme einer autonomen Syntax im Sinne Chomskys ablehnt und eine Abhängigkeit von Syntax, Semantik und Pragmatik annimmt. Die Untersuchung sprachlichen Wandels war zunächst nicht von Interesse (Van Valin & LaPolla 1997: 15). Mit den Arbeiten von Wiemer (2008) und Matasović (2002, 2008) wurden erstmals auch diachrone Fragestellungen im Rahmen der RRG untersucht.
In diesem wissenschaftlichen Diskurs soll die Grammatikalisierung von SVC zu AVC anhand ausgewählter Beispiele aufgezeigt werden.

Literatur:

Anderson, G.D.S. 2006. Auxiliary Verb Constructions. Oxford: Oxford University Press.

Heine, B. 1992. Grammaticalization chains. Studies in Language, 16(2): 335-368.

. 1993. Auxiliaries: Cognitive forces and Grammaticalization. New York: Oxford University Press.

Kuteva, T. 2001. Auxiliation. An Enquiry into the Nature of Grammaticalization. Oxford: Oxford University Press.

Matasović, R. 2002. On Representing Syntactic Change: Towards a Theory of Diachronic Syntax. Suvremena Lingvistika, 28(1-2): 57-71.

. 2008. Patterns of Grammaticalization and the Layered Structure of the Clause. In: Kailuweit, Wiemer, Staudinger und Matasović (Hrsg.). New Applications of Role and Reference Grammar: Diachrony, Grammaticalization, Romance Languages. Newcastle: Cambridge Scholars Publishing. S. 45-57.

Van Valin, Robert D., Jr. 2005. Exploring the Syntax-Semantic interface. Cambridge: Cambridge University Press.

Van Valin, Robert D., Jr. & Randy J. LaPolla. 1997. Syntax: structure, meaning and function. Cambridge: Cambridge University Press.

Wiemer, B. 2008. Changing Relations between PSA-Selection, Macroroles and Case Assignment. Insights from the diachrony of Slavic, Baltic and other Indo-European languages. In: Kailuweit, Wiemer, Staudinger und Matasović (Hrsg.). New Applications of Role and Reference Grammar: Diachrony, Grammaticalization, Romance Languages. Newcastle: Cambridge Scholars Publishing. S. 157-202.

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